Tierarztpraxis Dres. Kraemer

Praxis für Groß- & Kleintiere

Tierärztliche Bestandsbetreuung

Im Notfall

September 2017


    

Aktuelles zum Bluetongue-Virus (BTV)

 

Die Blauzungen-Epidemie der Jahre 2006 bis 2009 konnte in der Bundesrepublik durch eine flächendeckende Pflicht-Impfung erfolgreich getilgt werden, so dass Deutschland seit 2011 offiziell frei von dieser Erkrankung ist.

Dennoch empfiehlt die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StiKo Vet) die Impfung von Rindern und kleinen Wiederkäuern, da der Wiedereintrag des Virus auf das Bundesgebiet mittelfristig als sehr wahrscheinlich gilt:
In  Frankreich wird Serotyp 8 regelmäßig  und immer weiter östlich nachgewiesen, während sich Serotyp 4 seit 2014 von Griechenland über den Balkan bis Österreich und Italien ausgebreitet hat.

Für Rinder gilt, dass die Morbidität und Letalität der aktuell in unseren Nachbarländern vorhandenen Stämme relativ gering ist, so dass sich die direkten Schäden für die Tiere auch bei einer Infektion in Grenzen halten könnten. Allerdings werden bei einem Wiederauftreten von Bluetongue-Virus in Deutschland erneut Restriktionszonen (Sperr- und Beobachtungsgebiete) eingerichtet. Tiere können diese Restriktionszonen nur verlassen, wenn sie mindestens 60 Tage vor dem Verbringen mit einem inaktivierten Blauzungenimpfstoff mit entsprechendem Serotyp geimpft wurden. Allerdings gilt bezüglich eines innereuropäischen Verbringens oder Exportes, dass zahlreiche Länder nur die Einreise seronegativer Tiere tolerieren, also Kühe, die weder eine Infektion durchlaufen haben noch geimpft wurden.

Anders als bei den Rindern handelt es sich bei den kleinen Wiederkäuern, also Schaf und Ziege, um hochgradig empfängliche Spezies, die im Falle einer Erkrankung schwere klinische Symptome und eine vergleichsweise hohe Mortalität zeigen, und somit auch aus Gründen des Tierwohles geimpft werden sollten. Mittel gegen Gnitzen, so genannte Repellentien, können die Übertragung des Virus nicht sicher verhindern.

Das Eintragsrisiko von Bluetongue-Virus nach Niedersachsen ist im Vergleich zu Bayern und Baden-Württemberg geringer. Sobald erste Erkrankungsfälle im Süden Deutschlands nachgewiesen werden, sollten allerdings alle Wiederkäuer unverzüglich mit einem Impfstoff, der den entsprechenden Serotyp enthält, geimpft werden, da von der Erstimpfung bis zum Eintreten einer belastbaren Immunität ein Zeitraum von etwa sechs Wochen vergeht.

Die Impfung erfolgt derzeit auf freiwilliger Basis. Um impfen zu können, ist eine Einzelfallgenehmigung beim zuständigen Veterinäramt einzuholen, in welcher die Impfabsicht in einem kurzen Dreizeiler dargelegt wird. Daraufhin wird ein Bescheid erteilt, und die Tiere können geimpft werden. Innerhalb einer Woche nach der Impfung sind die Durchführung sowie die Ohrmarkennummern der geimpften Tiere an die zuständige Veterinärbehörde zu melden.

April 2017


Erstversorgung von Stute und Fohlen

Häufig werden Stute und Fohlen kurz nach der Geburt dem Tierarzt vorgestellt, um den Entwicklungs- und Gesundheitszustand des Fohlens, die Geburtswege der Stute und die Vollständigkeit der Nachgeburt  überprüfen zu lassen. In diesem Rahmen wird häufig auch eine „Fohlenlähmeimpfung“ oder Ähnliches gewünscht, in der Hoffnung, drohende Krankheiten vom Fohlen abwenden zu können. Folgende Maßnahmen sind bei der Erstversorgung von gesunden Fohlen und Stuten ratsam:

  • Klistier
    Zur Vermeidung einer Mekoniumobstipation empfiehlt sich die Verabreichung eines Klistiers sowohl an Hengst- als auch an Stutfohlen.
  • Nabeldesinfektion
    Eine Nabeldesinfektion muss, im Idealfall mehrmals täglich, bis zur vollständigen Abtrocknung erfolgen. Dabei sind alkoholischen Iodlösungen oder 1%ige Chlorhexidinlösungen gegenüber PVP-Iodlösung zu bevorzugen.
  • Vitaminpräparate
    Unter den Vitaminpräparaten nehmen Vitamin E-/Selen-Lösungen den höchsten Stellenwert ein. Gerade bei stark bemuskelten Pferderassen (z.B Quarter, Kaltblüter, Pura Raza Espanola) aber auch bei Warmblutfohlen kommt es immer wieder zu Fällen von Rhabdomyolyse („Weißmuskelkrankheit“), da die empfohlene Selenaufnahmemenge von 0,1 bis 2,0 mg/kg aufgenommener Trockensubstanz für Stuten in den Grundfuttermitteln häufig nicht erreicht wird. Vor allem bei reiner Weidefütterung auf den in Deutschland üblicherweise selenarmen Böden ohne Zusatzfutter tritt eine marginale Versorgung ein. Diese unzureichende Versorgung wirkt sich auf den wachsenden Fetus stark aus, da die Selengehalte im Blut der Stute fast doppelt so hoch sind wie im Blut des Fohlens. Merke: Vitamin E-/Selenpräparate sollten zumindest bei unzureichender oder unbekannter Versorgungssituation der tragenden Stute einen obligaten Teil der Erstversorgung neugeborener Fohlen darstellen.

Die Gabe von weiteren Vitaminpräparaten (z.B. B-Komplex, Vitamin ADE etc.) ist fakultativ.

  • Tetanusserum
    Der Einsatz von Tetanusserum hat in allen Fällen zu erfolgen, in denen keine zuverlässigen Angaben über den Impfschutz der Stute vorliegen. Allerdings ist zu bedenken, dass auch der vollständige Impfschutz der Stute das Fohlen nur dann sicher schützen kann, wenn eine Wiederholungsimpfung 4–8 Wochen vor dem Abfohlen stattgefunden hat, und das Fohlen ausreichend Kolostrum von guter Qualität aufgenommen hat.
  • Bezüglich der antibiotischen Versorgung von Fohlen gilt: Eine prophylaktische antibiotische Behandlung von gesunden Fohlen ist abzulehnen.
  • IgG-Test
    Bei allen Fohlen sollte 12–14 Stunden nach der ersten Tränkeaufnahme ein IgG-Test durchgeführt werden. Nach einem ausreichenden passiven Transfer von Antikörpern benötigen klinisch unauffällige Fohlen keine antibiotische Behandlung, während gefährdete Fohlen frühzeitig und wirkungsvoll mit Plasma und bakterizid wirksamen Antibiotika behandelt werden können. Der Pferdehalter kann bei Fohlen, die sich mit dem Aufsuchen des Euters schwer tun, die ersten 100-200ml Kolostrum abmelken und dem Fohlen per Flasche eingeben, um eine ausreichende Versorgung innerhalb des entscheidenden Zeitraumes zu gewährleisten.
  • Nachgeburt 
    Die Nachgeburt sollte innerhalb von 4 Stunden nach der Geburt abgegangen sein und aufbewahrt werden, damit der Tierarzt sie auf Vollständigkeit überprüfen kann. Reste von Nachgeburt in der Gebärmutter verursachen schwerwiegende Komplikationen, die durch eine sofortige Behandlung verhindert werden können.
  • Weiche Geburtswege
    Die Geburtswege der Stute werden auf Verletzungen untersucht.

Juni 2015


Rationsgestaltung für Milchkühe, Schüttelbox und Trockensubstanz (TS) Bestimmung

 

Ein Tätigkeitsschwerpunkt in der tierärztlichen Betreuung von Milchkuhbetrieben liegt in der Fütterungsberatung.
Ausgehend von analysierten betriebseigenen sowie zugekauften Futtermitteln erfolgt eine Rationsplanung für einzelne Futtergruppen in Abhängigkeit von Leistung und Laktationsstand. Dabei werden in der praxiseigenen Kalkulation auch aktuelle Forschungsergebnisse z.B. zur Strukturbewertung (pe NDF) berücksichtigt.
Im Rahmen der Rationsbewertung erfolgt eine erste Beurteilung der gefütterten TMR sowie der Futterzubereitung im Mischwagen mittels Schüttelbox auf dem Betrieb.
Dabei wird anhand der relativen Verteilung in der oberen, mittleren und unteren Box die Pansenphysiologie nachvollzogen.
Auch ist mit der Schüttelbox eine Erfolgskontrolle der Grundfuttergewinnung möglich. Gerade in der Silomaisernte kann zeitnah eine korrekte Einstellung des Häckslers geprüft werden.

Beispiel Maissilage Ernte 2014

Maisernte

Mais

Bilder oben: Gute Verteilung auf den Siebetagen

Bild links: Maiskörner z.T. nicht angeschlagen

Mittels Trockensubstanz (TS) Bestimmung im praxiseigenen Labor erfolgt eine schnelle und präzise Analyse des Wassergehaltes von Einzelfuttermitteln vor und nach der Ernte, TMR Proben und Gülle/Substrat.

Anwendungsbeispiele:

  1. Im Rahmen der Grasernte kann schnell der angestrebte TS- Gehalt geprüft werden: während Grassilagen für Milchkühe einen TS Gehalt von 30-40% aufweisen sollen, liegt der Wert für Pferde-Heulagen deutlich über 50%.
    Vorsicht: Bei sehr trockenen Heulagen findet kein Silierprozeß mehr statt: der Abbau von Zucker zu Milchsäure unterbleibt und der damit verbundene pH-Wert Abfall entfällt. Diese Futtermittel weisen eine sehr geringe Anbruchstabilität auf und bergen ein hohes Risiko für Nacherwärmung, vor allem durch mikrobielle Aktivität und Hefen!
    Eine sichere Lagerfähigkeit für Heu und Stroh ist bei einem TS-Gehalt von mind. 86% gegeben.
  2. Im Rahmen der Rationsberechnung für Milchkühe wird regelmäßig der TS Gehalt von offen gelagerten Futtermitteln geprüft. Schwankungen der TS Gehalte durch Witterungseinflüsse wie Niederschläge und Verdunstung werden bestimmt und entsprechend berücksichtigt.

 

 

Grasernte und was man besser machen kann


Heu mangelhafter Qualität, vor allem im Zusammenhang mit Atemwegsinfekten, hat im letzten Winter bei vielen Pferden zu chronischem Husten geführt. 

Viele dieser Pferde sind nur über Medikation und eine zeitweise oder dauerhafte Umstellung auf Heulage oder Silage und Offenstallhaltung zu managen. Auch für den Menschen sensorisch einwandfreies Heu kann bei sensiblen Pferden Husten auslösen.

Die Heuqualität an sich wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Maßgebliche Ursache für die Entstehung von Husten ist die beim Fressen stattfindende Inhalation der im Heu enthaltenden Stäube, Mikroorganismen und Schimmelpilze. Diese bilden sich sehr leicht besonders in zu feucht gepresstem Heu. Deshalb muss bei der Ernte unbedingt darauf geachtet werden, dass nur ausreichend trockenes Heu gepresst wird.

Der Trockensubstanzgehalt (TS) des Heus muss zum Pressen bei mindestens 86% liegen (im Zweifel den TS bei uns bestimmen lassen) um eine ausreichende Lagerungsfähigkeit zu erreichen. Ist das Erreichen dieses Wertes aufgrund schlechter Witterungsbedingungen nicht möglich, sollte die Verwendung des Schnittes als Heulage (TS mehr als 50%) oder Silage (TS unter 50%) in Betracht gezogen werden.

Unter den hier herrschenden anaeroben und sauren Verhältnissen können sich die unerwünschten Mikroorganismen und Schimmelpilze nicht oder nur geringfügig bilden. Die erhaltene Feuchtigkeit dieser Futtermittel trägt zudem zur Bindung feiner Stäube und Mikroorganismen bei, so dass diese nicht inhaliert werden können.

Beim Schnitt des Grases ist die Verunreinigung durch Erde, tote Tiere oder Giftpflanzen unbedingt zu vermeiden! Der Eintrag von Erde (zur Vermeidung die Gräser mindestens 8 cm oberhalb der Grasnarbe schneiden) oder toten Tieren (vor allem Rehkitze kann man durch vorheriges Absuchen retten und der Verunreinigung des Futters vorbeugen) kann besonders bei Heulage und Silage zur tödlichen Vergiftung mit Clostridien führen. Unter den Giftpflanzen nimmt das sich stark ausbreitende Jakobskreuzkraut eine immer größere Bedeutung ein. Die Pflanzen werden auf der Wiese meistens gemieden, da sie Bitterstoffe enthalten. Mit der Verarbeitung sinkt der Gehalt an Bitterstoffen, so dass sie im konservierten Zustand meist mitgefressen werden.  Während die enthaltenden Giftstoffe der Pflanze beim Silierprozeß teilweise zerstört werden, bleiben sie im Heu und der ggf. wenig durchsilierten Heulage vollständig erhalten. Die zur Futtergewinnung genutzten Flächen sollten daher möglichst frei von Jakobskreuzkraut gehalten werden.


Februar 2015


Der Frühling auf der Wiese, ist wie im Paradiese….bitte lassen Sie nur kastrierte
Katzen nach draußen!

Der Frühling kommt und führt dazu, dass die weiblichen Katzen jetzt rollig sind oder sehr bald werden. Und wo eine rollige Katze ist, ist auch bald ein Kater, selbst wenn er dafür eine längere „Anreise“ in Kauf nehmen muss.

Katzen können schon ab einem Lebensalter von 6 Monaten Nachwuchs bekommen, vier oder mehr Kätzchen pro Wurf und das zwei Mal im Jahr, da potenziert sich der Nachwuchs schnell auf ein Vielfaches. Genau daraus resultiert ein allgegenwärtiges Problem: ein große Anzahl halbwilder Katzen, für die sich niemand zuständig fühlt, welche zum Teil krank und unterernährt sind und welche die Tierschutzvereine an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringen. Denn die Kastration einer verwilderten Katze lässt sich nicht mal so nebenher erledigen; sie erfordert viel Zeit, Sachkunde und Umsicht beim Einfangen und im Umgang mit den Tieren und eine entsprechend ausgestattete Praxis incl. Personal . So verursacht sie letztendlich hohe Kosten.

Wir appellieren also dringend an alle Katzenhalter, ihre Tiere rechtzeitig, also JETZT kastrieren zu lassen, bevor sie tragend werden!
Übrigens: Zum Katzenhalter werden alle Menschen, die (auch fremde) Katzen regelmäßig füttern. Sie haben damit alle Verpflichtungen eines Tierhalters nach dem Tierschutzgesetz, dazu gehört die artgemäße Pflege, Ernährung, Unterbringung und KONTROLLE DER FORTPFLANZUNG.


September 2014


Zahnprobleme beim Meerschweinchen – ein häufiges Problem

Das Meerschweinchen stammt aus den grasreichen Hochebenen und Buschsteppen der Anden, wo es sich von eben diesen Gräsern, aber auch Kräutern und Wurzeln ernährt.

Dieses grobstrukturierte, rohfaserreiche Futter hat den Kau- und Verdauungsapparat unserer Meerschweinchen geformt:  Die Zähne des Meerschweinchens wachsen lebenslang.  Daher sind auch die Zähne unserer Hausmeerschweinchen auf ständige Abnutzung angewiesen.

Für einen ausreichenden Zahnabrieb und eine geregelte Verdauung ist (qualitativ hochwertiges) Heu als ständig verfügbares Hauptfutter des Meerschweinchens zwingend notwendig. Zusätzlich ist die tägliche Grünfuttergabe  zur Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen wichtig. Hier eignen sich besonders Karotten, Äpfel, Gurken, Paprika, Karottenkraut, Gras und Löwenzahn. Salat darf wegen des hohen Nitratgehaltes nur in kleinen Mengen verfüttert werden.

Steht dem Meerschwein nicht ausreichend grobes, rohfaserreiches Futter zur Verfügung, werden die Zähne zu lang oder nutzen sich nicht gleichmäßig ab. Die meist im Supermarkt oder Zoofachhandel angebotenen getreidehaltigen Meerschweinchenfutter werden im Maul nicht zermahlen sondern nur kurz zwischen den Backenzähnen zerquetscht und dann ab geschluckt. Da bei reichlicher Körnerfütterung meist wenig Heu gefressen wird, kann es wegen mangelnder Abnutzung zu überlangen Zähnen mit scharfen Zahnkanten kommen, die die Zunge einklemmen und die Backenschleimhaut schwer verletzen. Das Schweinchen frisst dann weniger oder gar nicht mehr und verhungert vor dem vollen Fressnapf.

Außer falscher Ernährung können aber auch Kieferfehlstellungen für schiefe und überlange Zähne verantwortlich sein. Oft fällt dem Besitzer das Problem erst auf, wenn das Tier schon ein Drittel oder mehr seines Körpergewichtes eingebüßt hat. Es ist wichtig seine Meerschweinchen gut zu beobachten, um Krankheiten möglichst im Anfangsstadium zu erkennen.

Rechtzeitig behandelt kann man diesen doch sehr empfindlichen Tieren oft noch helfen. Günstig ist es, die Meerschweinchen einmal wöchentlich auf der Küchenwaage zu wiegen, da ein Gewichtsverlust oft ein frühzeitiger Warnhinweis ist.


Rehkitz

Mai 2014


Findeltiere

Der Frühling ist da und mit ihm zahlreiche Tierkinder von Feldhasen, Eichhörnchen, Rehen und allen Vögeln. Den besten Start haben Wildtierkinder dort, wo sie hin gehören: In der freien Natur, versorgt von ihren Müttern. Deswegen möchten wir an dieser Stelle einige Hinweise geben, wie sich unnötige Tierwaisen vermeiden lassen und wann Hilfe durch den Menschen angebracht ist.

Junge Feldhasen und Rehkitze sitzen geduckt im Gras und laufen auch bei drohender Gefahr nicht weg; sie verlassen sich voll und ganz auf ihre Tarnung. Die Mutter kommt ein- bis zweimal täglich, um sie zu säugen und ist ansonsten nicht in der Nähe. Sollten sie einen kleinen Feldhasen oder ein Rehkitz finden und keine offensichtlichen Verletzungen sehen, lassen sie sie unbedingt an Ort und Stelle sitzen und entfernen sie sich. Solange sie in der Nähe sind, wird die Mutter nicht zu ihrem Jungtier kommen. Fassen sie die Tiere auf gar keinen Fall an und leinen sie bitte ihren Hund an!

Junge Eichhörnchen fallen insbesondere Gartenarbeiten zum Opfer. Purzelt ihnen beim Heckenschneiden oder Baumschnitt ein Eichhörnchenkobel vor die Füße, unterbrechen sie die Arbeiten bitte sofort und ziehen sie sich ganz aus dem Garten zurück. Damit geben sie der Mutter Gelegenheit zum Nest zurück zu kehren und die Jungen an einen anderen Ort zu bringen. Auch wenn Kobel oder Jungtiere angefasst wurden, wird sich die Mutter weiter um sie kümmern. Nur wenn die Mutter nach mehreren Stunden nicht zurückgekehrt ist dürfen sie zur Pflege in die menschliche Obhut einer Auffangstation gebracht werden.

Jungvögel unterschiedlichen Alters tragen nicht nur verschiedene Bezeichnungen, sie haben zudem jeweils ganz individuelle Bedürfnisse.
Nestlinge
Je nachdem, welcher Art ein Vogel angehört, ist er nach dem Schlupf entweder bereits befiedert und kann das Nest nahezu sofort verlassen, oder aber er ist nackt und seine Augen sind anfangs geschlossen. In diesem Fall müssen sie rund um die Uhr von ihren Eltern betreut werden, die Nahrung herbeischaffen und die Jungtiere vor allem in den ersten Tagen warm halten, wenn ihnen noch kein Federkleid gewachsen ist. Nestlinge verhalten sich in den ersten Lebenstagen eher ruhig. Je älter sie werden, desto bewegungsfreudiger sind sie. Gelegentlich kommt es vor, dass ein vorwitziger Nestling aus dem Nest fällt. Er benötigt dringend Hilfe, denn er ist allein nicht überlebensfähig. Setzen Sie einen Nestling wieder zurück in sein Nest, damit er weiterhin von seinen Eltern versorgt wird. Scheuen Sie sich nicht davor, den jungen Vogel zu berühren, denn entgegen anders lautender Aussagen nehmen die Eltern ihren Nachwuchs auch weiterhin an. Sollten Sie das Nest nicht finden oder wurde es zerstört (zum Beispiel von einem Fressfeind), dann sollten Sie sich des gefundenen Nestlings annehmen und ihn einer Auffangstation in Ihrer Nähe übergeben.
Ästlinge
Ist ein Nestling alt genug, um außerhalb des Nestes seine Flugfähigkeit und die eigenständige Nahrungsaufnahme zu trainieren, tritt er in eine neue Phase seines Lebens ein: Vollständig befiedert ist er jetzt  flügge und wird zum sogenannten Ästling. Zwar können die meisten Ästlinge bereits fliegen oder stehen kurz davor, ihre Flugkünste zu erlernen. Aber sie sind noch nicht dazu in der Lage, sich vollständig selbst zu ernähren. Unter Anleitung ihrer Eltern erkunden sie die Umgebung und werden je nach Vogelart noch einige Tage bis Wochen von ihnen mit Futter versorgt. Die Zeit zwischen dem Verlassen des Nestes und dem Erlangen gänzlicher Selbstständigkeit ist für junge Wildvögel die gefährlichste Phase ihres Lebens. Zwangsläufig müssen die Elterntiere ihren Nachwuchs über längere Zeiträume allein lassen, um nach Futter zu suchen. Während dessen hüpfen die Ästlinge mehr oder weniger schutzlos umher. Dabei zeigen sie ihren Eltern durch lautes Rufen an, wo sie sich gerade befinden. Diese Rufe locken allerdings nicht nur die Eltern an, sondern zeigen auch so manchem hungrigen Fressfeind an, wo sich die Beute versteckt hält. Bei drohender Gefahr flüchten Ästlinge nicht, sondern verhalten sich stattdessen ruhig und regungslos. Ihr einziger Schutz ist dann die Tarnung, die ihnen ihr meist recht unauffällig gefärbtes Federkleid bietet. Bitte lassen sie solche Ästlinge unbedingt sitzen!

Bitte prüfen sie bei dem Fund eines jungen Wildtieres sehr sorgfältig, ob menschliche Hilfe wirklich zwingend notwendig ist! Sollte das der Fall sein, transportieren sie das Tier rundum geschlossenen und abgedunkelt, beispielsweise in einem Pappkarton. Am besten bringen sie das Tier direkt in die Wildtierauffangstation Sachsenhagen, wo es professionell versorgt wird. Alternativ kann das Tier bei Verletzung oder Unterkühlung zur Erstversorgung in unsere Praxis gebracht werden.


Schildkröte

OKTOBER 2013


Überwinterung von Schildkröten

 

Die Winterstarre ist von essentieller Bedeutung für die artgerechte Haltung einer Schildkröte und Voraussetzung für ein gesundes Panzerwachstum und eine gesunde Knochenentwicklung.

Die Überwinterung sollte zwischen 3 und 5 Monate, mindestens jedoch 8 Wochen dauern, in einer leicht feuchten, aber nicht nassen Umgebung bei einer konstanten Temperatur zwischen 4 und 8°C (möglich ist dies z.B. auch in einem Kühlschrank, der dann allerdings 2x pro Woche zum Lüften geöffnet werden muss).

Alle 4 Wochen muss das Körpergewicht des Tieres kontrolliert werden, sinkt es um mehr als 10%, so muss die Überwinterung abgebrochen werden. Als Quartier bietet sich eine Kiste (Größe mindestens doppelte Panzerhöhe und dreifache Panzerlänge)mit gefüllt Gartenerde, Rindenmulch, Moos und  Laub an. 

Die Einwinterung erfolgt schrittweise mit Reduktion von Beleuchtung und Temperatur bei Terrariumstieren und wöchentlichen  Bädern in lauwarmem Wasser (20 Minuten in ca. 5 cm hohem Wasser bei 25 °C) zur Entleerung des Darmes. Eine Woche vor der Einwinterung wird dann gar nicht mehr gefüttert.  

Am Ende der Überwinterung wacht die Schildkröte dann meist von alleine auf. Temperatur und Unterbringung werden wieder angepasst, der Schildkröte sollte lauwarmes Wasser zum Trinken angeboten werden. Warme Bäder können unterstützend zur Anregung von Verdauung und Wärmehaushalt angewendet werden.

Nach 2 Tagen kann die Schildkröte wieder gefüttert werden, es ist aber durchaus normal, wenn es etwas dauert, bis die Schildkröte wieder normal frisst.

Wenn sie sich eine Überwinterung nicht zutrauen oder nicht die nötigen Voraussetzungen besitzen, sollten sie trotzdem auf gar keinen Fall darauf verzichten. Reptilienhotels und professionelle Züchter können ihnen hier weiter helfen. 


Hundegesetze

Juli 2013


Meldung im zentralen Hunderegister gemäß dem neuen Niedersächsischen Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG)

Das niedersächsische Hunderegister dient der Identifizierung eines Hundes, der Ermittlung des Hundehalters und der Gewinnung von Erkenntnissen über die Gefährlichkeit von Hunden in Abhängigkeit von Rasse, Geschlecht und Alter.

Das neue Niedersächsische Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG) verpflichtet jeden Hundehalter, sein Tier, das älter als 6 Monate ist, ab dem 01.07.2013 selbstständig in dem zentralen Hunderegister anzumelden. Voraussetzung für die Meldung und verpflichtend nach §4 des Gesetzes ist die Kennzeichnung des Hundes durch einen Mikrochip (Transponder).

Ab dem 24. Juni 2013 ist eine Registrierung online unter www.hunderegister-nds.deoder telefonisch sowie schriftlich möglich. Für jede Online-Registrierung fallen Kosten in Höhe von 14,50 € zzgl. 19 % MwSt. an. Eine telefonische bzw. schriftliche Anmeldung kostet 23,50 € zzgl. 19 % MwSt. (Tel.Nr. 0441 390 10 400).

Die Eintragung ins Hunderegister ersetzt nicht die Anmeldung des Hundes bei Ihrer Gemeinde!
Zudem muss jeder Hundehalter, der seit 2001 nicht zwei Jahre am Stück einen Hund gehalten hat, einen Sachkundenachweis erbringen. Befreit sind Tierärzte, Jäger, Tierheimbetreiber sowie Halter von Dienst- oder Blindenführhunden.

Der Sachkundenachweis nur von zertifizieren Prüfern abgenommen werden und umfasst zwei Teile. Im Theorieteil müssen 35 Multiple-Choice-Fragen zur Erziehung, Zucht, Verhalten sowie zur Haltung von Hunden beantwortet werden.

Im praktischen Teil wird der Umgang des Halters mit dem Hund in verschiedenen Situationen beurteilt und geprüft, ob der Halter sein Tier kontrollieren kann. Der praktische Teil muss während des ersten Jahres nach dem Hundekauf abgelegt werden.
Wir sind befugt, in unserer Praxis die Prüfung für den Sachkundenachweis durchzuführen!
Über den genauen Ablauf der Prüfung informieren wir Sie gerne.


Ketosediagnostik

Mai 2013


Ketosediagnostik und neue Behandlungsstrategien

Der Früherkennung von Ketosen bei Milchkühen muß besondere Bedeutung beigemessen werden. Bereits 12-14 Tage vor der Kalbung läßt sich bei Problemtieren eine negative Energiebilanz nachweisen. Die Folgen wie klinische Ketose, Labmagenverlagerung und Infektanfälligkeit beeinflussen die Milchleistung erheblich.

Im Gegensatz zu den herkömmlichen semiquantitativen Teststreifen für Milch oder Harn bestimmen wir die Ketonkörper im Blut. Dafür nutzen wir seit über einem Jahr erfolgreich ein Gerätemodell, welches in der Lage ist, den konkreten Wert so exakt wie im Labor zu messen. Die Anwendung ist denkbar einfach und wird von vielen Betriebsleitern selber durchgeführt:

  1. Blutentnahme aus der Schwanzvene
  2. Testgerät durch Einführen des Teststreifens aktivieren
  3. Bluttropfen auftragen, Messung beginnt automatisch
  4. Ergebnis dokumentieren
  5. Je höher der Wert, desto gravierender ist die Ketose und dementsprechend
    intensiver die Behandlung
   

In der ersten Woche nach der Kalbung empfehlen wir routinemässig den Ketonwert zu bestimmen. So werden auch vermeintlich unverdächtige Tiere erkannt und können angemessen behandelt werden, bevor ernsthafte Probleme entstehen. Tatsächlich sehen wir auch bei diesen, auf den ersten Blick unauffälligen Tieren, anschließend eine Verbesserung der Milchleistung. 

Ein vielversprechender neuer Behandlungsansatz zur Ketoseprophylaxe steht uns seit kurzem zur Verfügung:
Ein Pansenbolus mit kontinuierlicher Wirkstoff-Freisetzung über 9 Wochen beeinflußt die Zusammensetzung der Pansenbakterien derart, dass die Propionat-bildenden Bakterien gezielt gefördert werden. Ca. 3 Wochen vor der Kalbung wird der Bolus eingegeben, so dass sich zu Laktationsbeginn die gewünschte Pansenflora eingestellt hat. Dadurch werden im Pansen vermehrt Glucose-Vorläufersubstrate gebildet und die energiedichtere Ration der Frischmelker insgesamt besser umgesetzt.


Röntgen Kaninchen

 

 

Hydrometra

 

 

Hydrometra

März 2013



Fall der Woche: Hydrometra beim Kaninchen

Beim vorliegenden Fall handelte es sich um ein drei Jahre altes, weibliches Widderkaninchen mit unspezifisch reduziertem Allgemeinbefinden und einer Größenzunahme des Bauches.
Zudem rupfte die Häsin ihr Fell aus und zeigte eine leichte Schwellung der Vulva. Die Röntgenaufnahme zeigte eine abnorm vergrößerte Gebärmutter, durch die der Magen-Darm-Trakt in den vorderen Bauchraum verdrängt wurde.

Bei der nachfolgenden Ultraschalluntersuchung konnte eine hochgradige Füllung der Gebärmutter dargestellt werden. In der Operation wurden die Eierstöcke und die Gebärmutter, die mit 300ml (!) Flüssigkeit gefüllt war, entfernt. Um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und den Kreislauf zu stabilisieren, erhielt das Kaninchen eine Vollelektrolytinfusion.

Der Eingriff verlief komplikationslos, die Häsin erhielt Schmerzmittel und ein Antibiotikum für drei Tage. In der ersten Nacht hatte sie bereits ein wenig Futter aufgenommen, sie erholt sich weiterhin gut, so dass die Prognose als sehr gut einzuschätzen ist.


Kastration beim weiblichen Kaninchen (Ovariohysterektomie)


Bei weiblichen Kaninchen treten häufig Erkrankungen der Geschlechtsorgane auf. Ursächlich sind unregelmäßige Einflüsse der Hormone Östrogen und Progesteron.

Bei jungen Tieren finden sich eher Eierstockzysten mit Hyperplasien (Größenzunahme) der Gebärmutter, bei älteren Tieren ist die Gebärmutter häufig mit Flüssigkeit (Hydro-, Muko- oder Hämometra) gefüllt oder auch tumorös entartet.

Eine durch vaginal aufsteigende Krankheitserreger entstehende, mit Eiter gefüllte Gebärmutter (Pyometra) wird beim Kaninchen im Gegensatz zu anderen Tierarten nur sehr selten beobachtet.
Häufige Symptome für krankhafte Gebärmutterveränderungen sind z. B. gesteigerte Angriffslust, häufiges Rammeln, Scheinschwangerschaften mit Nestbau.

Die erst allmählich auftretenden Beschwerden wie Verdauungsstörungen (Durchfall), Bauchschmerzen, Abmagerung und auch Bauchumfangsvermehrung werden häufig nicht mit dieser Grunderkrankung in Verbindung gebracht.

Wichtig ist, erste Krankheitsanzeichen möglichst früh zu erkennen und die Tiere beim Tierarzt vorzustellen. Je länger die Erkrankung besteht, umso schlechter die Ausgangslage des Patienten, umso größer das Risiko der Operation. Der Tierarzt kann durch eine gründliche klinische Untersuchung, Röntgen-  und/ oder Ultraschalluntersuchung Gebärmutterveränderungen diagnostizieren.

Einzig sinnvolle Maßnahme ist dann eine Operation, bei der die Gebärmutter vollständig entfernt wird (Ovariohysterektomie). Allerdings sollten bei Kaninchen mit Tumorverdacht vorher die Lunge geröntgt werden, um Metastasen in diesem Organ auszuschließen.

Kaninchen besitzen gegenüber Hunden und Katzen ein bedeutend höheres Narkoserisiko. Vor einer Operation erhalten die Kaninchen ausreichend Infusionen, um Flüssigkeitsverluste auszugleichen und den Kreislauf zu unterstützen.

Die in unserer Praxis verwendete Inhalationsnarkose hat den riesigen Vorteil der Steuerbarkeit, d.h. die Narkose kann jederzeit vertieft oder auch beendet werden. Nach dem Eingriff sind die Tiere schnell wieder wach und zeigen früher wieder Interesse an Futter.
Für die ersten postoperativen Tage erhalten die Kaninchen ein Schmerzmittel und ein Antibiotikum.